Ilse Decho

Glasservice ‚5100′ von Ilse Decho für SCHOTT & GEN Jenaer Glas, um 1962, bestehend aus vier Tassen und Untertassen, Kanne ohne Deckel aber mit Teeeinsatz, Milchkännchen und Zuckerbehälter. Dass der Deckel fehlt, stört mich vorerst nicht. Zum Einen tuts vorübergehend ein Weck-Glas-Deckel, zum Anderen kann man einen solchen im gut sortierten Fachgeschäft nachkaufen. Außerdem ist bei einem Preis von drei Euro für alles (!!!) nichts mehr einzuwenden. Zum Vergleich: 120€ bei Schmidt-Auktionen 🙂

gesehen bei http://www.liveauctioneers.com/item/3303641

Ilse Decho (* 9.12.1919 in Leipzig, † 16.01.1978) war eine deutsche Kunsthandwerkerin für Glas und Porzellan und Hochschullehrerin. Zuerst eine kaufmännische Ausbildung absolvierend, besuchte sie anschließend die Abendschule der Akademie für grafische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. 1947-49 studierte sie dann an der Kunstgewerbeschule Leipzig, um im Anschluss bis 1966 als freischaffende Kunsthandwerkerin und Formgestalterin in ihrer Heimatstadt zu arbeiten. Anschließend unterrichtete sie als Dozentin für Glasgestaltung in Halle (Saale) und wurde später Professorin an der dortigen Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein.

Außerdem kreierte sie Koch- und Bratgeräte, bekannter dürften auch ihr Speise-, Kaffee- und Mokkaservice aus Porzellan „Daphne“ und Julius“ (1963) und das Mokkaservice „Atlas“ (1973) sein, die sie für das VEB Porzellanwerk „Graf von Henneberg“ in Ilmenau designte.

Die Teekanne ist ein Beispiel deutsch-deutscher Geschichte par excellence. Urvater war Wilhelm Wagelfeld ab 1931.

Weiterentwickelt wurde diese von Heinrich Löffelhardt ab 1955 in der BDR:

http://www.gunther-wagner.com/glas/?Formglas:Hausger%E4t:Jenaer_Glas

gesehen bei http://www.gunther-wagner.com/glas/?Formglas:Hausger%E4t:Jenaer_Glas mit schönen Bildern über die Entwicklung von Jenaer Glas

Und anschließend eben von Ilse Decho in der DDR ab 1962, die durch ihre feine Eleganz und rationale Formstrenge einen Design-Klassiker erschuf, der sich zusammen mit Jenaer Glas auf beiden Seiten der Grenze höchster Beliebtheit erfreute, oder wie der Spiegel schreib: „Auch im Westen war Jenaer Glas heiß begehrt. Der DDR-Zoll registriert 1959, dass mit Jenaer Glas ‚ein schwunghafter illegaler Handel‘ betrieben werde. Etwa 200.000 ‚Geschenkpakete‘ waren demnach allein im ersten Halbjahr 1959 in den Westen expediert worden.“

Nach der Wende kam dann die Wiedervereinigung auch für die beiden Glaswerke in Mainz und Jena: zusammen mit der Carl-Zeiss-Stiftung entsteht am 29.06. 1990 die  JENAER GLASWERKE GMBH (die ganze Geschichte schön nachzulesen auf www.schott.com).

Und hier noch Teegläser von SCHOTT & GEN Mainz, von denen ich bisher leider noch keinen Entwerfer finden konnte.

Jenaer Glas gilt als extrem hitzebeständig, leicht zu reinigen und formschön zugleich. Kein Wunder, dass es bis heute immer noch in vielen Haushalten zu finden ist.

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